Das Emil Sommer Zimmer

     

Das Emil Sommer Zimmer

 

 

Als besondere Rarität hat das Museum das sogenannte Emil-Sommer-Zimmer aufzuweisen. Es ist die Original-Wohnzimmereinrichtung des blinden Grünstadter Verlegers und Zeitungsgründers Emil Sommer (1838-1904).

Er wurde in Edenkoben als Sohn des vom Judentum zum evangelischen Glauben konvertierten Lotterieeinnehmers Elias Sommer geboren und verlor im Alter von acht Jahren durch Typhus das Augenlicht. Mit 16 Jahren erfand er einen Apparat zum blinden Drucken und Schreiben. 

Da blinde Personen damals nicht an deutschen Hochschulen angenommen wurden, besuchte Sommer ab 1862 die Universitäten in Nancy und Paris. Hier studierte er Chemie und andere Naturwissenschaften. Er eignete sich auch ein großes Fachwissen über Weinbau an. Seine Abhandlungen zur Rebenzucht und -veredlung fanden allgemeine Anerkennung. Gleichzeitig betrieb er intensive Sprachstudien in Französisch, Englisch, Italienisch und Spanisch, welche Sprachen er bald fließend beherrschte und auch in privatem Rahmen unterrichtete.

Emil Sommer

Emil Sommer heiratete 1870 die Försterstochter Pauline Dressler (1845–1903) aus Kaiserslautern. 1877 gründete er in Edenkoben drei fremdsprachige Zeitschriften für Deutsche, die gleichzeitig Unterhaltungs- und Lehrjournale sein sollten. Es handelte sich um den französischen "L´ Interprète", den englischen "The Interpreter" und den italienischen "L´ Interprete". Sie fanden Anklang in einem nicht erwarteten Maß. Da er nicht auf fremde Betriebe angewiesen sein wollte richtete Emil Sommer, mit Hilfe seiner Frau, ab 1878 in Edenkoben eine eigene Druckerei und ein Verlagshaus ein. Hier beschäftigte er schon mehrere Personen, u.a. auch zwei ausländische Sprachwissenschaftler.

Um das Unternehmen weiter auszubauen, entschloss sich der Inhaber zur Herausgabe einer deutschen Tageszeitung. Er verlegte seine Firma nach Grünstadt und gab dort ab 1886 die "Grünstadter Zeitung" heraus, die sich in Ermangelung einer sonstigen örtlichen Zeitung schnell entwickelte und für die nächsten rund 50 Jahre quasi eine Monopolstellung im Leininger Land einnahm. Sie war politisch und religiös neutral.

 

 

1904, beim Tod Emil Sommers, wurde sein ältester Sohn Eugen Sommer (1876–1961) Unternehmenschef. Er ließ 1907 die neuen Wohn- und Verlagsgebäude an der Ecke Sausenheimer- und Kirchheimer Str. erbauen und 1924 bzw. 1927 erweitern. Die "Grünstadter Zeitung" publizierte er weiterhin, bis zu ihrem Verbot durch die NS-Regierung, 1934. Sie lebte nach 1945 noch einmal kurz auf, konnte aber der nunmehrigen Konkurrenz durch "Die Rheinpfalz" nicht standhalten. Der "Verlag Emil Sommer" existierte als Buchverlag noch bis zum Ende des 20. Jahrhunderts.

Emil Sommer ist eine bedeutende und außergewöhnliche Persönlichkeit der Grünstadter Geschichte und wir sind stolz darauf, mit dem Zimmer sein Andenken pflegen zu können. Die Zimmereinrichtung wurde uns, zusammen mit der gebundenen Komplettausgabe der "Grünstadter Zeitung", bei Schließung des Sommer-Verlags übergeben.